Die WM 1990 in Italien
Deutschland gewinnt die "Weltmeisterschaft der Minimalisten"
Italien, England, Griechenland und die Sowjetunion bewarben sich um die Weltmeisterschaft 1990, schliesslich bekam der dreifache Weltmeister zum zweiten Mal das Turnier zugesprochen. 112 Nationen wollten an den Spielen teilnehmen, die nach dem selben Schema wie schon vier Jahre zuvor ausgetragen wurden.
Wenn man von grossartigen Weltmeisterschaften spricht, wird dieses Turnier sicherlich nie erwähnt. Es gab einen neuen Tore-Minusrekord, die Mannschaften spielten äusserst defensiv und demensprechend unattraktiv waren die Spiele.
Langweilige Spiele
Die Gruppenspiele waren meist zum Wegschauen. Brasilien enttäuschte masslos, Argentinien mauerte, Italien gab sich minimalistisch, nur gerade die Deutschen und Kamerun zeigten Offensivfussball. In der Gruppe F mit Holland, England, Irland und Ägypten endeten fünf der sechs Spiele unentschieden, dabei fielen gerade mal sieben Tore. Irland und Holland in allen Belangen gleich auf, das Los entschied, dass Holland in den Achtelfinals auf Deutschland treffen sollte. Das gehässige Spiel, in dem Völler und Rijkaard wegen Spuckens des Feldes verwiesen wurden, endete 2:1 zugunsten der Deutschen.
Die Tschechen kamen dank einem Kopfball-Hattrick von Skuhravy, dem ersten in der Geschichte der Weltmeisterschaften, in die nächste Runde, ebenso Irland, Italien, Jugoslawien, England und Argentinien, das sich gegen Brasilien durchsetzte, nachdem diese das Spiel dominiert hatten und mehrmals die Torumrandung getroffen hatten.
Roger Milla tanzt mit den "Unzähmbaren Löwen"
Löbliche Ausnahme in diesem Turnier der Minimalisten waren die "Unzähmbaren Löwen" aus Kamerun. Im Eröffnungsspiel hatten sie trotz zwei roten Karten Weltmeister Argentinien geschlagen, danach traf Oldie Roger Milla zwei Mal beim Sieg über Rumänien und machte den Lambada an der Eckfahne weltberühmt. Milla, der mit seinen 38 Jahren jeweils als Einwechselspieler kam, warf mit seinen zwei Toren in der Verlängerung auch die spielstarken Kolumbianer um Valderrama aus dem Turnier.
Im Viertelfinale war allerdings Schluss für die Afrikaner. In einem packenden Spiel, das hin und her wogte, unterlagen sie England mit 2:3 nach Verlängerung. Lineker hatte zwei Elfmeter verwandelt.
Festival der Elfmeterschiessen
Argentinien setzte sich im Viertel - wie im Halbfinale im Elfmeterschiessen durch und stand erneut im Finale. Die Italiener waren vor allem dank Toren von Torschützenkönig Salvatore "Toto" Schillaci so weit gekommen. Er war vor dem Turnier ein völliger Nobody, sein Stern verglühte nach der WM aber ebenso schnell.
Deutschland hatte dank einem Elfmeter die Tschechen gestoppt und gewann gegen England ebenfalls im Elfmeterschiessen. Aufgrund der bisher gezeigten Leistungen liess das anstehende Finale Schlimmstes befürchten.
Das Finale, eine Neuauflage von 1986, ging als das langweiligste in der Geschichte der Weltmeisterschaften ein. Chancen waren Mangelware, und als Monzon nach etwas mehr als einer Stunde vom Platz gestellt wurde, igelten sich die Argentinier hinten ein. Es brauchte schliesslich die Hilfe des mexikanischen Schiedsrichters, damit das Spiel eine Entscheidung bekam: fünf Minuten vor dem Ende pfiff er ein "Foul" von Sensini an Völler, Brehme verwandelte den Elfmeter.
Damit hatte Deutschland nach drei aufeinander folgenden Finals endlich wieder den Titel gewonnen. Für die Fans blieb zu hoffen, dass sich eine solch enttäuschende WM wie diese niemals wiederholen würde. (ms)
| Statistik | |
| Topskorer: | Salvatore Schillaci
(ITA) - 6 Tore Tomas Skuhravy (CZE) - 5 Tore Roger Milla (CMR) - 4 Tore Gary Lineker (ENG) 4 Tore Michel (ESP) 4 Tore Lothar Matthäus (GER) - 4 Tore |
| Anzahl Mannschaften: | 24 |
| Anzahl Spiele: | 52 |
| Anzahl Tore: | 115 |
| Tore pro Spiel: | 2,21 |
| Rote Karten: | 16 |
| Zuschauer: | 2,515,168 |
| Zuschauer pro Spiel: | 48,369 |

