Die WM 1986 in Mexiko
Maradona führt Argentinien zum zweiten Weltmeistertitel
Eigentlich sollte Kolumbien die 13. Fussball-Weltmeisterschaft austragen, doch aus wirtschaftlichen Gründen gab man das Turnier nach Mexiko ab, das nur 16 Jahre zuvor grossartige Spiele organisiert hatte. Nur acht Monate vor Beginn des Turniers richtete ein grosses Erdbeben furchtbare Schäden im Land an und 25'000 Menschen verloren ihr Leben. Die Weltmeisterschaft verlief hingegen - von einigen Pannen bei der TV-Übertragung abgesehen - ohne Probleme.
Wieder einmal war der Modus geändert worden. Nur noch acht Mannschaften schieden nach den Gruppenspielen aus, die übrigen 16 spielten gleich nach dem K.O.-System. Dadurch gab es leider auch einige höchst unspektakuläre Erstrundenpartien, bei denen es Marokko nach tollen Spielen als erstes afrikanisches Land in die zweite Runde schaffte.
Lineker und Butragueño in Torlaune
In den Achtelfinals gewannen die Spiele deutlich an Qualität. Das 4:3 von Belgien über die Sowjetunion war Unterhaltung pur, die leicht überalterten Brasilianer verzauberten die Polen mit 4:0, Lineker schoss mit einem Hattrick die Paraguayaner nach Hause und Butragueño, "el buitre", überstrahlte alle, als er gegen Deutschland-Besieger Dänemark gleich vier Tore erzielte.
Frankreich mit dem viel bewunderten Mittelfeld-Kleeblatt Platini, Giresse, Tigana und Fernandez spielte gross auf und warf den amtierenden Weltmeister mit 2:0 aus dem Turnier. Deutschland hingegen, mit nur drei Punkten aus der Vorrunde, musste gegen Aussenseiter Marokko bis zur 87. Minute und dem Freistosstor von Matthäus zittern. Im Viertelfinale gegen Gastgeber Mexiko mussten sie sogar ins Elfmeterschiessen.
Maradona und "die Hand Gottes"
Maradona war der überragende Mann des Turniers. Im Viertelfinale gegen England schoss er zwei unvergessliche Tore: eines nach einem unwiderstehlichen Sololauf durch die gesamte Abwehr, das zweite mit der Hand, die er später stolz als "Hand Gottes" bezeichnete. Auch im Halbfinale gegen die überraschenden Belgier erzielte er beide Tore.
Die übrigen drei Viertelfinalpartien mussten alle im Elfmeterschiessen entschieden werden. Dabei schied Brasilien gegen Frankreich nach einem grossartigen Spiel aus. Die Revanche gegen die Deutschen hingegen misslang den Franzosen. Tore von Brehme und Völler verwehrten ihnen den erstmaligen Finaleinzug.
Dramatisches Finale
Nachdem Deutschland nur gerade im Halbfinale überzeugt hatte, war Argentinien im Finale Favorit. Dementsprechend traten sie auch auf. Sie waren spielbestimmend und erarbeiteten sich Chancen, auch wenn ihr Star Maradona das ganze Spiel über von Matthäus bewacht wurde. Ein Freistoss nach einem Foul an Maradona führte nach 21. Minuten zum ersten Tor durch Brown. Die Südamerikaner dominierten das Spiel auch danach und nach 55 Minuten bezwang Valdano Torhüter Schumacher erneut.
Bei den Deutschen kam Dieter Hoeness für Magath und plötzlich kamen auch die Vize-Weltmeister zu Chancen. Eine Viertelstunde vor Schluss schaffte Rumenigge den Anschlusstreffer, in der 81. Minute glich der eingewechselte Rudi Völler aus. Doch einmal mehr machte Maradona den Unterschied aus: Noch sechs Minuten waren zu spielen, spielte er einen wunderschönen Pass auf Burruchaga, der den Siegestreffer erzielte.
Deutschland war zum zweiten Mal in Folge im Finale geschlagen worden, in Argentinien feierten 30 Millionen Menschen auf den Strassen den zweiten Titelgewinn ihrer Mannschaft, den sie zu einem grossen Teil dem unvergleichlichen Diego Armando Maradona zu verdanken hatten. (ms)
| Statistik | |
| Topskorer: | Gary Lineker
(ENG) - 6 Tore Emilio Butragueño (ESP) - 5 Tore Careca (BRA) - 5 Tore Diego Maradona (ARG) - 5 Tore |
| Anzahl Mannschaften: | 24 |
| Anzahl Spiele: | 52 |
| Anzahl Tore: | 132 |
| Tore pro Spiel: | 2,54 |
| Rote Karten: | 8 |
| Zuschauer: | 2'184'522 |
| Zuschauer pro Spiel: | 42'010 |

