Die WM 1970 in Mexiko
Fussball-Festival in Mexiko: Brasilien gewinnt den Titel zum dritten Mal
Die Weltmeisterschaft 1970 wurde trotz heftiger Proteste nach Mexiko vergeben. Die grosse Höhe der Austragungsorte und die Hitze während der Spiele (oft bis zu 37C) lösten bei Spielern und Trainern Unverständnis aus. Die regeltechnischen Neuerungen hingegen wurde begrüsst: Zum ersten Mal gab es gelbe und rote Karten und die Möglichkeit, Spieler einzuwechseln, nachdem bislang auch verletze Spieler durchhalten mussten.
75 Mannschaften nahmen an der Qualifikation teil, die auch einige prominente Opfer forderte. Argentinien, Portugal, Ungarn, Frankreich und Spanien waren an der Endrunde nicht dabei.
Teofilio Cubilla, der peruanische Ballkünstler
Die Gruppenspiele brachten keine Überraschungen. Die WM-Neulinge Israel und Marokko waren zwar stark, schied aber dennoch aus. Europameister Italien qualifizierte sich mit nur einem erzielten Tor für die Viertelfinals. Überragender Mann der Gruppenspiele war der Peruaner Teofilio Cubillas, der seine Mannschaft in die nächste Runde schoss und dort Brasilien an den Rand einer Niederlage brachte.
Im Viertelfinale kam es auch zur Neuauflage des Finals von 1966. England und Deutschland zeigten ein packendes Spiel, das abermals in der Verlängerung entschieden werden musste. Der unvergleichliche Gerd Müller, der "Bomber der Nation", schoss das entscheidende Tor.
Brasilianischer Fussballzauber
Im Halbfinal standen mit Italien, Deutschland, Uruguay und Brasilien vier bisherige Weltmeister. Das Spiel zwischen Italien und Deutschland wurde zu einem Klassiker, den Italien nach Verlängerung mit 4:3 gewann. Brasilien hatte eine beeindruckende Sturmreihe mit Jairzinho, Pelé, Tostão und Rivelino und setzte sich sicher gegen Uruguay durch.
107'000 Zuschauer wollten das Endspiel im eigens für diese WM errichteten Azteken-Stadion sehen. Sie wurden nicht enttäuscht. Brasilien zeigte grossartigen Offensivfussball, aber auch Italien konnte durchaus mithalten. Pelé brachte die Südamerikaner nach 19. Minuten in Führung, ehe eine Unkonzentriertheit in der Abwehr Boninsegna den Ausgleich ermöglichte.
In der zweiten Halbzeit war Brasilien deutlich überlegen. Sie liessen Ball und Gegner schön laufen und nach 65 Minuten brachte Gerson mit einem Weitschuss sein Team erneut in Führung. Jairzinho erhöhte kurz darauf auf 3:1, und vier Minuten vor Schluss fiel noch das schönste Tor des Finals. Der Ball lief durch die gesamte brasilianische Mannschaft, alle elf Spieler berührten ihn, bis Pelé ihn schliesslich Carlos Alberto servierte.
Als dreifacher Weltmeister durfte Brasilien den "Jules Rimet"-Pokal mit nach Hause nehmen. Ende 1983 wurde er gestohlen und verkauft, nachdem man ihn zu zwei Kilo purem Gold zusammen geschmolzen hatte. Eine Kopie nimmt seither in der Virtine seinen Platz ein. (ms)
| Statistik | |
| Topskorer: | Gerd Müller
(BRD) - 10 Tore Jairzinho (BRA) - 7 Tore Teofilio Cubillas (PER) - 5 Tore |
| Anzahl Mannschaften: | 16 |
| Anzahl Spiele: | 32 |
| Anzahl Tore: | 95 |
| Tore pro Spiel: | 2,97 |
| Rote Karten: | 0 |
| Zuschauer: | 1'673'975 |
| Zuschauer pro Spiel: | 52'312 |

