Die WM 1958 in Schweden
Endlich: Brasilien holt im hohen Norden den Weltmeistertitel
Das Turnier um die Weltmeisterschaft 1958 in Schweden brachte wenig Neuerungen, dafür einige neue Stars erstmals ins Rampenlicht. Die Sowjetunion nahm erstmals teil, deren Tor hütete die "Schwarze Spinne" Lev Yashin, der wohl beste Torhüter aller Zeiten. Und vor allem durfte die Welt erstmals den 17-Jährigen Wunderknaben Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt als Pelé, bewundern.
Die Qualifikation, an der 55 Ländern teilnahmen, brachte einige Überraschungen: Unter anderem schafften es Uruguay, Italien, Spanien und die Schweiz nicht an die Endrunde. Auch die Gruppenspiele wurden so nicht unbedingt erwartet: Argentinien schied ebenso aus wie England und Ungarn, deren grosse Mannschaft sich nach dem Aufstand von 1956 praktisch aufgelöst hatte.
Pelés erster grosser Auftritt
Die Sowjetunion, die sich dank herausragender Leistungen ihres Schlussmanns Yashin gegen England durchgesetzt hatten, trafen im Viertelfinal auf Gastgeber Schweden. Das schwedische Team war vor dem Turnier aus dem Boden gestanzt worden und bestand fast ausschliesslich aus Profis aus der italienischen Liga. Die Schweden gewannen die Partie mit 2:0.
Der Franzose Juste Fontaine hatte bei dieser WM seinen grossen Auftritt. An der Seite von Piantoni und Kopa, der zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, traf er 13 Mal - ein Rekord, der bis heute Bestand hat. Sein Team besiegte Nordirland im Viertelfinale mit 4:0 und schied erst gegen Brasilien aus.
Beim hart umkämpften 1:0-Sieg der Brasilianer über Wales reihte sich erstmals der brasilianische Wunderknabe Pelé in die Torschützenlisten ein. Fortan hatte er einem fixen Platz im neuartigen 4-2-4-System der Südamerikaner, das nach dieser WM von den meisten Mannschaften übernommen wurde.
"Heja, heja Sverige!"
50'000 Zuschauer verfolgten den Halbfinal zwischen Gastgeber Schweden und dem amtierenden Weltmeister Deutschland. Schon als die Mannschaften einliefen, ertönten die ohrenbetäubenden "Heja, heja Sverige"-Rufe. Die Deutschen fanden in diesem Hexenkessel nie zu ihrem Spiel und die Schweden zogen mit einem 3:1-Sieg erstmals in den WM-Final ein.
Pelé hatte im Halbfinal gegen Frankreich einen lupenreinen Hattrick erzielt und seine Mannschaft galt im Final als klarer Favorit. Dennoch war es Liedholm, einer der elegantesten und fairsten Spieler aller Zeiten, der die Schweden in Front brachte. Garrincha, der unglaubliche Dribbler mit den krummen Beinen, sorgte aber mit seinen Flanken immer wieder für Gefahr, bis zur Halbzeit hatte Vava zwei davon verwertet.
Die zweite Halbzeit gehörte wiederum Pelé: Nach 55 Minuten überlobbte er einen Verteidiger und schoss volley ein, kurz vor Schluss steuerte er das letzte Tor zum überlegenen 5:2-Erfolg der Brasilianer bei. "Man muss sich die Augen reiben, um glauben zu können, dass solcher Fussball von dieser Welt ist", schrieb danach die Zeitung "World Sports". Brasilien war neuer Weltmeister und Pelé der erste grosse Star des Weltfussballs.
| Statistik | |
| Topskorer: | Juste Fontaine
(FRA) - 13 Tore Pelé (BRA) - 6 Tore Helmut Rahn (GER) - 6 Tore |
| Anzahl Mannschaften: | 16 |
| Anzahl Spiele: | 35 |
| Anzahl Tore: | 126 |
| Tore pro Spiel: | 3,60 |
| Rote Karten: | 3 |
| Zuschauer: | 868'000 |
| Zuschauer pro Spiel: | 24'800 |

