Die EM 2004 in Portugal

Defence first – Griechen schaffen Sensation
Für die Europameisterschaft in Portugal hatten sich alle Topmannschaften qualifiziert, nur gerade der WM-Dritte Türkei blieb in der Barrage überraschend am krassen Aussenseiter Lettland und dessen Sturmspitze Verpakovskis hängen. Griechenland hatte in der Qualifikation schon überrascht und sich vor Spanien und die Ukraine gesetzt.
Paukenschlag zu Beginn
Die erste Sensation gelang Griechenland schon im Eröffnungsspiel gegen den Gastgeber Portugal. Nach nur sechs Minuten fand ein Weitschuss von Karagounis den Weg ins Tor, Basinas doppelte in der zweiten Halbzeit nach und Cristiano Ronaldo gelang nur noch der Anschlusstreffer in der Nachspielzeit, zu solid war die hellenische Defensive. Auch Spanien konnte die Griechen nicht bezwingen. Dennoch musste das Team von Rehagel lange zittern: Im Abschlussspiel liessen die Russen reihenweise Grosschancen aus und gewannen viel zu knapp mit 2:1, das reichte den Griechen für den Einzug in die nächste Runde.
Die Schweiz unglücklich
Der erste Auftritt der Schweizer war nicht eben vom Glück begünstigt. Im ersten Spiel gegen Kroatien wurde Johann Vogel des Feldes verwiesen, zu mehr als zu einem 0:0 reichte es danach nicht mehr. Gegen England spielten die Schweizer lange gut, doch dir rote Karte gegen Bernt Haas brach ihnen das Genick, das 3:0 spiegelte aber dennoch nicht die Stärkeverhältnisse wieder. Im letzten Spiel brauchten die Schweizer gegen die Franzosen einen Sieg, mussten dabei aber auf den nach der Spuckattacke gegen Gerrard gesperrten Alex Frei verzichten. Überraschend kam für ihn der junge Johann Vonlanthen zum Einsatz, der noch vor der Pause Zidanes Führungstreffer egalisierte und zum jüngsten EM-Torschützen aller Zeiten wurde. Nach zwei Henry-Toren in der zweiten Halbzeit schied die Schweiz aber als Gruppenletzter aus.
Das Spiel des Jahres
Wunderschönen Angriffsfussball sahen die Zuschauer bei Tschechiens
3:2-Sieg über Holland nach einem 0:2-Rückstand. Fünf Tore,
eine Menge Chancen und bedingungsloses Spiel nach vorne bot eine wunderbare
Abwechslung zu den sonst eher von Sicherheit dominierten Spielen. Verdient
setzten sich diese beiden Mannschaften durch, Deutschland unterlag im
Abschlussspiel sogar der tschechischern B-Auswahl, nachdem es zuvor gegen
Lettland nur ein glückliches 0:0 erreicht hatte.
Tschechien stürmte auch in den Viertelfinals weiter und rang Dänemark
mit 3:0 nieder. Für wüste Schlagzeilen sorgte das von Urs Meier
nicht gegebene Tor der Engländer in der letzten Minute gegen Portugal
(«What an Urs-hole!»), im Elfmeterschiessen setzte sich der
Gastgeber durch. Frankreich präsentierte sich gegen Griechenland
ungefährlich und ideenlos und schied ebenso aus wie die Schweden,
die zuvor dank Ibrahimovics Hackentor Italien aus dem Wettbewerb geworfen
hatten.
Griechen machen Sensation perfekt
Der Gastgeber, der sich im Laufe des Turniers gesteigert hatte, behielt
beim 2:1 gegen Holland das glücklichere Ende für sich und alle
freuten sich auf ein Finale gegen die begeisternden Tschechen. Doch gegen
Griechenland gingen Koller, Baros und Co. zu fahrlässig mit ihren
Chancen um und so gelang den Griechen mit der letzten Aktion vor der Pause
der Verlängerung durch Dellas das Silver Goal.
Gewohnt defensiv gingen sie auch das Finale gegen Portugal an, in erster
Linie darauf bedacht, keine Chancen zuzulassen. Und das gelang ihnen auch:
In den 90 Minuten konnten sich die Iberer keine nennenswerte Möglichkeit
erspielen und somit genügte den Mannen von Otto Rehagel wie so oft
ein Flanke und ein Kopfball – diesmal von Angelos Charisteas –
zum Sieg und damit zur grössten Sensation, die es im internationalen
Fussball je gegeben hat.
| Statistik | |
| Topskorer: | Milan Baros (CZE) - 5 Tore Wayne Rooney (ENG) - 4 Tore Ruud van Nistelrooy (HOL) - 4 Tore |
| Anzahl Mannschaften : | 16 |
| Anzahl Spiele: | 31 |
| Anzahl Tore: | 77 |
| Tore pro Spiel: | 2.48 |
| Rote Karten: | 6 |
| Zuschauer: | 1'160'802 |
| Zuschauer pro Spiel: | 37'445 |
