Die EM 2000 in Belgien und Holland

«Les bleus» doppeln nach
Zum ersten Mal überhaupt fand ein Fussball-Grossereignis parallel in zwei Ländern, nämlich Holland und Belgien, statt. Kritische Stimmen kamen vor allem nach den wüsten Strassenschlachten von deutschen und englischen Hooligans auf, die grossartigen Spiele dieser EM liessen sie aber bald wieder verstummen.
Nahe dran, sich für die EM 2000 zu qualifizieren, war auch die Schweiz. Dänemark wurde aber zum Spielverderber. Erst verlor man in Kopenhagen nach einem Tor in der 88. Minute 1:2, dann hätte bereits ein Punkt der bereits qualifizierten Italiener gegen die Dänen im Heimspiel in Neapel genügt, doch Dänemark siegte nach einem 0:2-Rückstand noch 3:2 und setzte sich damit vor die Schweiz.
Tolle Gruppenspiele
Schon die Gruppenspiele boten guten und hochspannenden Fussball. England unterlag Portugal nach einer 2:0-Führung noch mit 3:2, besiegt das Erzrivale Deutschland und schied doch noch nach einem Gegentor in den letzten Minuten gegen Rumänien aus. Deutschlands Auftaktremis gegen Rumänien sollte ihr einiger Punkt sein. Im abschliessenden Gruppenspiel verloren sie gegen die mit einer besseren B-Mannschaft angetretenen Portugiesen mit 0:3, Sergio Conceição hatte alle Treffer erzielt.
Italien stieg mit drei souveränen Siegen ins Viertelfinale auf, ebenfalls souverän qualifizierten sich die Franzosen und die Holländer, die gegen die Tschechen allerdings die Hilfe von Schiedsrichter Collina in Anspruch nehmen mussten. Einen Thriller erlebten die Zuschauer im Spiel Jugoslawien - Spanien: In der 90. Minute lag Spanien noch mit 2:3 hinten und wäre damit ausgeschieden, doch dann trafen noch Mendieta und Alfonso Perez. Die Jugoslawen hatten ihrerseits zuvor den Slowenen nach einem 0:3 und einem Platzverweis zu zehnt dank dem Duo Drulovic/Milosevic noch einen Punkt abgeknöpft.
Nur Frankreich musste zittern
Solche knappen Spiele gab es im Viertelfinale nicht mehr. Nuño Gomes schoss Portugal mit zwei Toren gegen die Türkei weiter, Rumänien war gegen Italien harmlos und Hollands Kluivert traf beim 6:1-Kantersieg über Jugoslawien gleich dreimal. Nur Frankreich durchlebte bange Sekunden, als Raúl in der letzen Minute beim Stand von 2:1 einen Elfmeter verschoss.
Die Angst der Holländer beim Elfmeter
Wie schon vier Jahre zuvor war keines der Halbfinals nach 90 Minuten entschieden. Publikumsliebling Portugal haderte mit dem Schicksal, als gegen Frankreich eine Intervention von Abel Xavier mit einem Handelfmeter geahndet wurde, der Zidane souverän verwandelte.
Ebenfalls eine wichtige Rolle spielten Elfmeter beim anderen Halbfinale zwischen Holland und Italien. Schon nach einer halben Stunde flog Zambrotta nach der zweiten gelben Karte von Platz, die Angriffe der Oranjes rollten ohne Unterbruch, Chancen gab es zuhauf. Bergkamp traf den Pfosten, einen ersten Elfmeter von Frank De Boer parierte Toldo, einen zweiten setzte Kluivert an den Pfosten. Auch im Elfmeterschiessen hatten die Holländer kein Glück: Frank De Boer, Stam und Bosvelt verschossen von Punkt. Von sechs Elfmetern vergaben die Oranjes deren fünf und schieden so aus.
Frankreichs unglaubliches Comeback
Im Finale waren die Franzosen, der amtierende Weltmeister, die klaren Favoriten. Doch Italien stellte sich überraschend nicht einfach hinten rein, sondern spielte gut mit. Die erste Grosschance hatte aber dennoch die Bleus, als Henry nur den Pfosten traf. Je länger das Spiel dauerte, desto weiter wurde Italien in die eigene Hälfte gedrängt. Doch Toldo hielt einmal mehr fantastisch und auch Cannavaro und Nesta liessen kaum Gefahr aufkommen.
Nach 53 Minuten ging Italien entgegen dem Spielverlauf in Führung. Totti bedient mit der Hacke Pessotto, dessen Flanke nahm Delvecchio volley. Frankreich brachte nun noch Wiltord und Trézéguet, doch Chancen hatte vor allem der ebenfalls eingewechselte Del Piero, der zum Entsetzen von Trainer Dino Zoff auch die besten davon versemmelte.
In der Nachspielzeit brach Wiltord auf links durch und sein Flachschuss fand zur Freude der viele Fans der Franzosen den Weg an Toldo vorbei ins Netz. In der Verlängerung hatten beide Team noch je eine grosse Chance, die Entscheidung gelang schliesslich Trézéguet der eine Zidane-Flanke volley in die Maschen drosch und Frankreich zum ersten Team machte, das nach der Welt- auch noch die Europameisterschaft gewann.
| Statistik | |
| Topskorer: | Patrick Kluivert (HOL) -
5 Tore Savo Milosevic (YUG) - 5 Tore |
| Anzahl Mannschaften : | 16 |
| Anzahl Spiele: | 31 |
| Anzahl Tore: | 85 |
| Tore pro Spiel: | 2.74 |
| Rote Karten: | 10 |
| Zuschauer: | 1'127'008 |
| Zuschauer pro Spiel: | 35'355 |
