Die EM 1984 in Frankreich

Platinis Sternstunden
Man war gespannt auf die Europameisterschaft 1984 in Frankreich. Würde der Angsthasen-Fussball von 1980 fortgesetzt oder würde wieder begeisternde Spiele zu sehen sein wie an der Weltmeisterschaft zwei Jahre zuvor? Die Qualifikation liess Gutes hoffen.
Zu reden gab da unter anderem das letzte Spiel der Spanier gegen Malta. Um die Holländer noch zu überholen, brauchten die Spanier einen Sieg mit elf (!) Toren Differenz, was ihnen nach einem zwischenzeitlichen 1:1 tatsächlich noch gelang. Neben Holland verpassten auch die UdSSR und England (gegen Dänemark) den Einzug in die Endrunde.
Frankreichs überragendes Mittelfeld
Frankreich war der erklärte Favorit und diese Rolle unterstrichen sie auch in den ersten Spielen. Dem knappen 1:0 gegen die überraschenden Dänen folgte ein furioses 5:0 über Belgien und ein 3:2 über Jugoslawien. In beiden Spielen traf Platini dreimal. Zusammen mit Tigana und Giresse bildetete er eine Kreativabteilung, die seinesgleichen vergeblich suchte. Doch auch die Dänen zeigten wunderbaren Fussball, zerschmetterten Jugoslawien mit 5:0 und holten gegen Belgien einen 0:2-Rückstand auf und zogen dank des 3:2-Erfolgs ins Halbfinale ein.
Weniger berauschend waren die Spiele der anderen Gruppe. Deutschland hatte sich erst in letzter Sekunde dank einem 2:1-Sieg in Albanien an die Endrunde geschossen und liess die Qualitäten früherer Jahre vermissen. Der Nullnummer gegen Portugal folgte ein 2:1 gegen Rumänien, bei dem sich die Mannschaft bei ihrem Schlussmann Schumacher bedanken musste. Gegen Spanien, das nur mit einem Sieg weiterkommen konnte, reichte das Mauern nicht, Maceda schoss die Deutschen aus dem Turnier.
Dramatische Halbfinals
Gastgeber Frankreich bekam es im Halbfinale mit Portugal zu tun. Wie gewohnt gingen die Franzosen soglaich in die Offensive und gingen durch Domergue in Führung. Chancen zuhauf boten sich den Blauen in der Folge, doch Portugals Keeper Bento hatte einen grossen Tag und stoppte sämtliche Versuche. Eine Viertelstunde vor Schluss fand Chalanas Flanke den Kopf von Jordão, der für den Ausgleich besorgt war – die Partie ging in die Verlängerung. Portugal schien den längeren Atem zu haben, Nené kam einige Male gefährlich zum Abschluss. Die Führung erzielte aber wiederum Jordão, wiederum nach Chalanas Flanke. Frankreich warf nun alles nach vorne und kam wiederum durch Domergue zum Ausgleich. Für den Siegestreffer war dann der Meister höchstpersönlich verantwortlich. Tiganas Hereingabe drosch er aus kurzer Distanz ins Tor zum 3:2.
Auch im anderen Halbfinal war nach 90 Minuten noch nichts entschieden. Maceda hatte Lerbys Führungstreffer ausgeglichen. Die Dänen retteten sich zu zehnt ins Elfmeterschiessen und ausgerechnet Preben Elkjær-Larsen, einer der besten Spieler des Turniers, versagte vom Punkt aus.
Zauberer gegen Kämpfer
Den Spaniern war bewusst, dass ihnen diese französische Mannschaft spielerisch deutlich überlegen war. So besannen sie sich auf ihren Kampfgeist. Das Finale war geprägt von vielen kleinen Fouls, die den Spielfluss brechen sollten. Mit Erfolg: Die Franzosen konnten sich in der ersten Halbzeit keine einzige Torchance erarbeiten, während die Spanier – allen voran Santillana – stets gefährlich waren.
Ein grober Schnitzer von Spaniens Torwart Arkonada lancierte das Spiel jedoch neu. Platinis Freistoss kam direkt auf ihn zu, doch eer liess den Ball unter sich durch rutschen und «schenkte» so den Franzosen die Führung. Davon erholten sich die Spanier nicht, die viel Energie in die Ausschaltung des Kreativzentrums der Franzosen aufgewendet hatten. In der letzten Minute schickte Tigana Bellone auf die Reise, der Arkonada zum 2:0 bezwang. Es war das einzige Tor der Franzosen an diesem Turnier, das von einem Stürmer erzielt wurde, und es war jenes, das sie definitiv zum neuen Champion machte.
| Statistik | |
| Topskorer: | Michel Platini (FRA)- 9 Tore |
| Anzahl Mannschaften : | 8 |
| Anzahl Spiele: | 15 |
| Anzahl Tore: | 41 |
| Tore pro Spiel: | 2.73 |
| Rote Karten: | ? |
| Zuschauer: | 578'000 |
| Zuschauer pro Spiel: | 38'533 |
