Die EM 1976 in Jugoslawien

Hoeness' Elfmeter in den Himmel von Belgrad krönte die Tschechen
Die 70er-Jahre waren reich an grossen europäischen Mannschaften. Deutschland war amtierender Welt- und Europameister, die Holländer um Cruyff waren Vizeweltmeister, dazu gehörten die Engländer, die Italien die stets starken Sowjets sowie die erstarkten Polen zum Favoritenkreis.
Gescheiterte Favoriten
Für einige Favoriten war das Turnier vorbei, ehe es richtig begonnen hatte. England, Ungarn, Polen und Italien blieben in der Qualifikation hängen. Ein weiterer scheiterte im Viertelfinale: Die Sowjetunion schied mit einer praktisch nur aus Dynamo Kiev-Spielern bestehenden Mannschaft um Oleg Blochin, Europas Fussballer des Jahres, gegen die Tschechen aus.
Ohne Probleme stiegen hingegen die Zauberfussballer Hollands (gegen Belgien) sowie Jugoslawien (gegen Wales) und Deutschland (gegen Spanien) in die Halbfinals auf. Diese fanden in Jugoslawien statt, zum ersten Mal wurde also ein Fussball-Grossereignis in Osteuropa durchgeführt.
Ondrus und Dieter Müller
Die Holländer gaben sich vor dem Halbfinale gegen Aussenseiter CSSR zuversichtlich bis überheblich. Überragender Spieler war in dieser Partie aber nicht König Johan Cruyff, sondern Anton Ondrus, der grossgewachsene Libero der Tschechen. Ein Raunen ging durchs Stadio, wenn der Star von Slovan Bratislava in den Angriff mitging und die Begeisterung war riesig, als er in der 20. Minute die Führung erzielte. Für den Ausgleich war er auch gleich selber besorgt, er fabrizierte in der 73. Minute ein Eigentor. In der Verlängerung bewies Trainer Jezek Goldhändchen. Seine Einwechslung Vesely bereitete erst das 2:1 vor und schoss das dritte Tor gleich selber.
Einen ebenso dramatischen Halbfinal erlebten die Zuschauer im Regen von Zagreb. Die Jugoslawen zauberten, spielten die Deutschen an die Wand, doch sie verpassten es, auf mehr als 2:0 davon zu ziehen. Bis zur 80. Minute hatten die Deutschen durch die Einwechselspieler Flohe und Dieter Müller ausgeglichen. Müller –der nur dabei war, weil Toppmöller verletzt war – entschied die Partie in der Verlängerung mit zwei weiteren Treffern.
Panenkas Geniestreich
Die Belgrader boykottierten nach dem Aus ihrer Mannschaft das Finalspiel und so fanden sich nur 33'000 im riesigen Stadion von Roter Stern ein. Auch in diesem Spiel waren die Deutschen dem schnell spielenden Gegner spielerisch unterlegen. Schon nach 25 Minuten lagen die Tschechen dank Toren von Svehlik und Dobias 2:0 vorne und nichts deutete auf eine Rückkehr der Deutschen hin. Doch wiederum traf Dieter Müller zum Anschlusstreffer und als die Journalisten schon die Nachricht des neuen Europameisters in die Welt rufen wollten, traf Hölzenbein nach einem Eckball mit dem Hinterkopf zum 2:2, dies nur Sekunden vor Spielende.
Wieder ging es in die Verlängerung, eine Entscheidung
fiel aber nicht. Das Reglement liess zwei Möglichkeiten
zu: Elfmeterschiessen oder Wiederholungsspiel. Die Mannschaften
wählten die Entscheidung vom Elfmeterpunkt. Bei den Tschechen
trafen die ersten vier Schützen, da trat Uli Hoeness
an. Er wählte die Variante Gewalt und drosch den Ball
mit voller Wucht in den Himmel über Belgrad. Antonin
Panenka hatte also die Entscheidung auf dem Fuss. An Dreistigkeit
kaum zu überbieten schnibbelte er den Ball halbhoch in
die Mitte und machte sein Land zum verdienten und trotzdem
überraschenden Europameister. L'Equipe schrieb daraufhin:
«Dieses Finale zeigte einen grossartigen Dialog zwischen
der spielerischen Leichtigkeit der CSSR und der deutschen
Fussballmaschine. Es wurden bisher kaum gekannte Dimensionen
erreicht.» . Es war ein würdiges Finale eines grossartigen
Turniers.
| Statistik | |
| Topskorer: | Dieter Müller (GER) - 4 Tore |
| Anzahl Mannschaften : | 8 |
| Anzahl Spiele: | 12 |
| Anzahl Tore: | 41 |
| Tore pro Spiel: | 3.42 |
| Rote Karten: | - |
| Zuschauer: | 630'000 |
| Zuschauer pro Spiel: | 52'500 |
