Die EM 1972 in Belgien

Die Geburt des Liberos
Zum ersten Mal gab es bei der EM 1972 keine Modusänderung gegenüber dem Turnier vier Jahre zuvor. Wiederum hatte sich ganz Fussballeuropa für die Qualifikation eingeschrieben. Die Schweiz war nahe dran, sich zum ersten Mal für eine Endrunde zu qualifizieren, doch die Mannschaft um Köbi Kuhn, Gabet Chapuisat, Fritz Künzli und Karl Odermatt unterlag England in Basel nach einem Eigentor von Weibel mit 2:3 und war damit ausgeschieden. Auch Spanien scheiterte bereits in der Qialifikation an der UdSSR.
Gross aufspielende Deutschen
Klarer Favorit waren die Deutschen, die eine grossartige Mannschaft beisammen hatten. Die famose Kette Beckenbauer - Netzer - Müller sorgte für Begeisterung bei den Zuschauern. Souverän hatte sich die Mannschaft für die Viertelfinals qualifiziert, wo es zur Neuauflage des WM-Finals von 1966 kam. Um den aufsässigen Briten aus dem Weg zu gehen, liess sich Beckenbauer weit zurück fallen und leitete von dort die Angriffe ein. Mann des Spiels beim 3:1-Sieg im Wembley war aber Günther Netzer, der fast alle deutschen Angriffe einleitete. Nach dem 0:0 im Rückspiel in Berlin stand die deutsche Elf im Halbfinale.
Dort standen auch die Belgier, die überraschend die Italiener besiegt hatten. Dazu gesellten sich die Ungarn mit einer Mannschaft ohne grossen Namen sowie – zum vierten Mal bei vier Europameisterschaften – die Sowjetunion.
Die Halbfinals hätten eigentlich in Deutschland stattfinden sollen. Doch weil dort zwei Jahre später die WM ausgetragen werden sollte, wich man nach Belgien aus.
Einseitiges Finale
Eher unverdient kam die russische Mannschaft erneut ins Endspiel. Gegen die technisch und spielerisch besseren Ungarn kam die UdSSR zu einem glücklichen 1:0-Sieg. Im Endspiel warteten die Deutschen, die die ohne ihren Regisseur Van Moer (Beinbruch) angetretenen, aber tapfer kämpfenden Belgier mit 2:1 besiegt hatten.
Die Deutschen übernahmen bald das Spieldiktat, die Sowjets beschränkten sich auf Verteidigen. In der 27. Minute traf Müller zum 1:0, die Russen waren zu keiner Reaktion fähig. Auch als Netzer in Manndeckung genommen wurde, waren sie die druckvollere Mannschaft und Wimmer und nochmals Gerd Müller sorgten für den 3:0-Endstand.
| Statistik | |
| Topskorer: | Gerd Müller (GER) - 4 Tore |
| Anzahl Mannschaften : | 8 |
| Anzahl Spiele: | 13 |
| Anzahl Tore: | 29 |
| Tore pro Spiel: | 2.23 |
| Rote Karten: | - |
| Zuschauer: | 791'500 |
| Zuschauer pro Spiel: | 60'885 |
